Die Geschichte des Mikroskops

Die Geschichte des Mikroskops
Robert Hooke (1635 - 1703)

Der Engländer Robert Hooke (18.07.1635 - 03.03.1703) war Architekt, Naturphilosoph und ein brillanter Wissenschaftler, der vor allem für seine Theorie der Elastizität (Hookesches Gesetz) und seine Micrographia bekannt ist, die 1665 veröffentlicht wurde; darüber hinaus prägte er den Begriff der "Zelle" zur Beschreibung der Grundstruktur des Lebens. Weniger bekannt ist, dass es ernstzunehmende Hinweise dafür gibt, dass Hooke die Federunruh entwickelte, und zwar unabhängig und etwa fünfzehn Jahre vor Huygens, dem diese Erfindung eigentlich zugesprochen wird. Hooke ist außerdem für seine Erforschung der Schwerkraft und seine Arbeit als Architekt und Landvermesser bekannt.


Die Micrographia von Hooke


An dieser Stelle konzentrieren wir uns nun auf seine Arbeit am Mikroskop und der Dokumentation einer Vielzahl von Objekten und Proben in der Micrographia, seinem im September 1665 veröffentlichten Werk.


Die berühmte Karriere von Hooke begann mit seinem Studium am Wadham College in Oxford, wo er unter John Wilkins eng mit anderen Zeitgenossen zusammenarbeitete, unter anderem mit Thomas Willis und Robert Boyle, für den er die Vakuumpumpen baute, die in den Experimenten zu Boyle's Gasgesetz verwendet wurden. Er baute auch einige der ersten Teleskope, beobachtete die Rotation von Mars und Jupiter und war durch seine eingehenden Studien der Fossilien einer der frühen Vertreter der biologischen Evolution. Und als ob das noch nicht genug wäre, erforschte er auch das Phänomen der Lichtbrechung und leistete einen wichtigen Beitrag zur Wellentheorie des Lichts; außerdem war er der erste, der darauf hinwies, dass sich Materie ausdehnt, wenn sie erwärmt wird, und dass die Luft aus lauter kleinen, weit auseinander liegenden Partikeln besteht. Seltsamerweise fanden seine wissenschaftlichen Beiträge kaum Beachtung, möglicherweise weil er von vielen Leuten als schwierige Persönlichkeit mit "zynischem Temperament" und "scharfer Zunge" beschrieben wurde. Es gab auch immer wieder Streitigkeiten mit naturwissenschaftlichen Kollegen, unter anderem einen Disput mit Isaac Newton, wem nun die Ehre für die Arbeit zur Erforschung der Gravitation und der Planeten gebührt. Allerdings muss man berücksichtigen, dass Hooke zu einer Zeit lebte, die von unglaublich raschem wissenschaftlichem Fortschritt und Entdeckungen geprägt war, und nichts kann Hookes Erfindungsreichtum, seine bemerkenswerte Versuchsanlage und seinen unglaublichen Arbeitseifer schmälern.


1662 wurde Hooke in die Royal Society aufgenommen und als Kurator in die physikalische Abteilung berufen, wo er für die Präsentation von neuen Experimenten bei den wöchentlichen Versammlungen der Society verantwortlich war. In dieser Zeit veröffentlichte Hooke sein Buch, die Micrographia, eine sorgfältige und detaillierte Aufzeichnung seiner mikroskopischen Beobachtungen (mit einem der besten Mikroskope dieser Art zu seiner Zeit), illustriert mit prachtvollen Zeichnungen. Er untersuchte die verschiedensten Organismen wie Insekten, Schwämme, Bryozoen, Foraminiferen und Vogelfedern.


Robert Hookes Mikroskop


Seine möglicherweise berühmteste Beobachtung war die Studie dünner Korkscheiben und die Beschreibung der Poren oder "Zellen", die er sah. Hooke hatte die Pflanzenzellen entdeckt, oder genauer gesagt hatte Hook die Zellwände in Korkgewebe entdeckt. Tatsächlich war es Hooke, welcher der "Zelle" ihren heutigen Namen gab: die kastenförmigen Zellen im Kork erinnerten ihn an Klosterzellen. Hooke berichtete auch von ähnlichen Strukturen in Holz und in anderen Pflanzen. Bekanntermaßen war es auch Hooke, der eine detaillierte Beschreibung eines Fliegenauges lieferte.


Der nachstehende Auszug aus der Micrographia zeigt Hookes Standpunkt, wie das Mikroskop verwendet wird, um die Sinne zu schärfen...


"Bei der Sammlung nutzte ich zumeist Mikroskope und andere Gläser und Instrumente, welche die Sinne schärfen...nur um die Sinne durch den Einsatz von mechanischen Hilfen zu fördern, sowohl zur Erforschung der bereits sichtbaren Welt als auch zur Entdeckung zahlreicher bis dato unbekannter Welten."

- Micrographia, von Robert Hooke (1665)


Neben Hookes aufsehenerregenden Beobachtungen ist die Micrographia auch bekannt für ihre spektakulären Kupferstiche der Miniaturwelt, insbesondere für die Falttafeln der Insekten. Der Stich der Laus zum Beispiel lässt sich bis auf vierfache Buchgröße auffalten. Am bekanntesten ist das Buch für die detaillierte Demonstration der Leistung des Mikroskops, die Micrographia beschreibt aber auch weit entfernte planetare Gebilde, die Wellentheorie des Lichtes, die organischen Ursprünge der Fossilien und verschiedene andere philosophische und wissenschaftliche Interessen des Autors.


Hook erlangte zu seiner Zeit auch Ruhm als Landvermesser der Stadt London und leitender Mitarbeiter von Christopher Wren. Hook half Wren dabei, London nach dem großen Brand 1666 wiederaufzubauen und arbeitete auch am Entwurf einiger der berühmtesten Gebäude Londons mit, unter anderem dem Royal Greenwich Observatory und dem berühmten Bethlem Royal Hospital (das als "Bedlam" bekannt wurde).


Hookes Reputation lebte im zwanzigsten Jahrhundert wieder auf und nach einer langen Zeit des Schattendaseins ist er heute als einer der wichtigsten Wissenschaftler seiner Zeit anerkannt.

Robert Hooke